Max Euwe / Walter Meiden, 259 Seiten - 176 Diagramme - Sachbuch, 6. völlig überarbeitete Auflage 2005, gebunden
ISBN 3-88805-247-5 Hier werden Partien von fortgeschrittenen Amateuren bis hin zu Meisterkandidaten vorgestellt. Entsprechend höher ist das Niveau; die Thematik dreht sich vor allem um typische Aspekte des Positionsspiels wie offene Linien, bestimmte Bauernstrukturen oder den Umgang mit Eröffnungssystemen.
INHALTSÜBERSICHT
005 Vorwort
009 Einleitung
Partie Eröffnung Thema
029 1 Nimzowitsch-Indisch Ausnützen von Vorteilen
039 2 Nimzowitsch-Indisch Durchlöcherte Formation
049 3 Englisch Ausnützung von Bauernschwächen
055 4 Ben-Oni Geschwächte Felder
061 5 Spanisch (Offen) Theorie der Spanischen Partie
069 6 Spanisch (Geschlossen) Königsangriff
079 7 Spanisch (Steinitz-Vert.) Positionsspiel
089 8 Holländisch Strategisches Planen
097 9 Grünfeld-Verteidigung Verwundbares breites Zentrum
105 10 Zukertort-Reti-System Hängende Bauern
113 11 Abgelehntes Damengambit Ausnützung der offenen Linie
125 12 Abgelehntes Damengambit Schwache Züge
135 13 Abgelehntes Damengambit Minderheitsangriff
145 14 Abgelehntes Damengambit Mittelspiel-Strategie
157 15 Caro-Kann Finden eines Plans
165 16 Sizilianisch (Drachen) Der Sinn der "Sizilianischen"
177 17 Sizilianisch (f2-f3) Rochadeangriff
183 18 Sizilianisch (mit e7-e5) Strategie und Taktik
191 19 Königsindisch Die Bauernkette
203 20 Königsindisch Verfrühte Initiative
209 21 Königsindisch Austausch von Schwächen
217 22 Königsindisch Spiel auf Remis
227 23 Italienisch (De7) Behauptung des Zentrums
239 24 Damenindisch Austausch von Vorteilen
249 25 Reti-System Spiel an mehreren Fronten
259 Schlußwort
Auch "Amateur wird Meister" erscheint nun schon in der fünften Auflage. Das Buch ist das Mittelstück einer dreiteiligen Reihe und wendet sich an Spieler, die zwar bereits über einige Erfahrung verfügen, die aber speziell beim Übergang von Eröffnung ins Mittelspiel vor Problemen stehen.
Hierfür haben Max Euwe und Walter Meiden 25 Partien zwischen Meistern und aufstrebenden Spielers ausgewählt und sehr ausführlich kommentiert, wie der Umfang des Buches bereits andeutet.
Zunächst wird jedoch in der rund 20-seitigen Einleitung ausführlich besprochen, wo die Unterschiede in der Spielstärke in verschiedenen Bereichen wie Eröffnung, Mittelspiel, Endspiel, Strategie, Taktik und Initiative liegen und wie man sich jeweils verbessern kann.
Dann folgen die Partien, die jeweils ein bestimmtes Grundthema haben, beispielsweise Ausnützung von Bauernschwächen, Königsangriff, verwundbares breites Zentrum, hängende Bauern, Minoritätsangriff, Bauernkette oder verfrühte Initiative.
Danach folgt die sehr umfangreich erläuterte Partie, wobei meistens alle Züge kommentiert sind. Den breitesten Raum nimmt wie gesagt die Übergangsphase von Eröffnung ins Mittelspiel ein, in der es Pläne und Strategien zu erstellen gilt und typische positionelle Aspekte wie Bauernstrukturen zu berücksichtigen sind.
Die Partien decken ein breites Spektrum an Eröffnungen ab und machen den Leser so nebenbei mit vielen wichtigen Systemen vertraut.
Schach-Markt 4/2002
Exweltmeister Max Euwe und Walter Meiden (vermutlich sein Ghost-Writer) haben im Jahr 1964 einen Klassiker der Schachliteratur verfasst: "Amateur wird Meister" war damals der rbk Fortsetzungsband von "Meister gegen Amateur" und hatte sich die Aufgabe gestellt, die Unterschiede zwischen meisterlichem und amateurhaftem Spiel aufzuzeigen. Natürlich wurden auch viele Ratschläge erteilt, wie das Amateur-Niveau zu heben sei, um die Kluft zum Meisterspiel zu verkleinern. Es muss dem Beyer-Verlag als Verdienst angerechnet werden, das klassische Werk in der nunmehr bereits fünften Auflage herauszugeben (Beleg für seine Popularität), sachkundig-kompetent überarbeitet von FM Gerd Treppner, und somit ehrgeizigen Amateuren wieder zugänglich gemacht zu haben. Einleitend (S. 9-28) erörtern die Autoren die Unterschiede zwischen Amateur- und Meisterspiel, wobei sie u.a. die versiertere Art des Meisters beschreiben, aus der Eröffnung ins Mittelspiel überzugehen, sein besseres Verständnis strategischer und taktischer Belange, sein ausgeprägtes Streben nach Initiative, seine Widerstandskraft in schlechten Stellungen, seine ausgefeilte Endspieltechnik und sein Wissen um psychologische Faktoren, welche den Gang der Partie beeinflussen können. Gleichzeitig geben Euwe und Meiden aber auch viele allgemeine Tipps, wie der Amateur sein Spiel im Hinblick auf die genannten Aspekte verbessern kann.
Den Hauptteil des Buches (S. 29-258) bilden 25 Partien zwischen Meister und Amateur (wobei der Leser die Namen der jeweiligen Kontrahenten nicht erfährt), sorgsam kommentiert und mit Hinweisen zu den verschiedenen Plänen, taktischen Möglichkeiten und Fehlern (vor allem des Amateurs) reichlich versehen. Verschiedene gebräuchliche Eröffnungen wie z.B. Nimzo-Indisch, Englisch, Spanisch, Damengambit, Sizilianisch und Königsindisch werden in ihren Zielsetzungen anhand der entsprechenden Partien erläutert. Auch die Motive des Meisters bei der Auswahl seiner Züge werden z.T. ausführlich beleuchtet. Die Abfolge der Partien ist dergestalt angeordnet, dass die Spielstärke des Amateurs kontinuierlich ansteigt: während er anfänglich einige vernichtende Niederlagen einstecken muss, indem seine Fehler vom Meister gnadenlos ausgenutzt werden, verliert er in der zweiten Hälfte zunehmend knapper, und in den letzten drei Spielen gelingt es ihm sogar, den Meister zu besiegen, weshalb er hier auch als "Meisteranwärter" tituliert wird. Das inhaltlich überzeugende und didaktisch ausgezeichnet aufgebaute Werk - übrigens ein Qualitätsmerkmal aller zahlreichen Euwe-Bücher - kann auch heute noch allen lernbeflissenen Amateuren dazu dienen, durch sein intensives Studium den meisterlichen Weihen im Königlichen Spiel näher zu kommen.
Ein schönes Beispiel für die Bestrafung mangelnden eröffnungstheoretischen Wissens liefert die Partie Nr. 5 (S. 62-67) mit ausführlichen Analysen):
Meister - Amateur, Spanisch - Offene Variante:
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 S:e4 6.d4 b5 7.Lb3 d5 8.d:e5 Le6 9.De2 Sa5? 10.Sd4 c5 11.S:e6 f:e6 12.c3 S:b3 13.a:b3 Db6 14.Le3 Le7 15.Dg4 0-0 16.f3 d4 17.Lh6 und 1:0, denn auf 17...Tf7 folgt 18.D:e4 und der schwarze Ta8 ist ungedeckt.
Rochade Europa 6/2002, Dr. W. Schweizer