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101 Angriffsideen im Schach

GAMJGAIS

101 Angriffsideen im Schach

von  Joe Gallagher 
128 Seiten, kartoniert, 2006, Deutsch

GAMJGAIS

Sie erreichen gute Angriffsstellungen, schaffen es dann aber nicht, den entscheidenden Schlag zu landen? Sie wissen nicht recht, wo Sie angreifen sollen, wenn Sie eine aussichtsreiche Stellung haben? Oder Sie analysieren manchmal ineffizient und lassen sich von Tricks überlisten, die Sie hätten vorhersehen können?

Großmeister Joe Gallagher ist als Angriffsspieler bestens bekannt. Er stellt hier eine Fülle von Ideen vor, wie Sie den König des Gegners überfallen können, sobald sich eine Chance dazu bietet. Er zeigt, wie man einen exponierten König matt setzt, wie und was man opfern sollte, und wie Sie entscheidende Schwachpunkte erspähen können.

Aber das Angriffsspiel besteht längst nicht nur aus Opfern und Mattkombinationen. Das Buch bietet auch Tipps zum allmählichen Aufbau eines Angriffs und erläutert angriffstypische Konstellationen und Motive. Gallagher macht auch deutlich, wann es klüger ist, sich auf einen positionellen Angriff zu verlegen. Dazu bietet er hilfreiches Material zum Minoritätsangriff am Damenflügel und andere nicht ganz so ungestüme Angriffsmethoden.

Einführung

Inhalt und Aufbau

Was macht eine Angriffsidee aus? Nun, die meisten werden das Wort "Angriff" beim Schach si­cherlich mit Kombinationen und direkten Attacken gegen den König in Verbindung bringen, infol­gedessen geht es in diesem Buch größtenteils auch genau darum. Sicher kann man auch am Da­menflügel angreifen oder positioneile Angriffe durchführen, deshalb ist auch dazu einiges Material im Buch enthalten, wenn auch zweifellos nur ein kleinerer Teil. Eine Angriffsidee mit einer Über­schrift wie z. B. "Unterminieren des Vorpostens auf d5" wäre gewiss nicht abwegig, würde uns aber zu weit in positionelle Gefilde führen. Das Buch ist nun mal nicht sehr groß, und mit dem be­grenzten zur Verfügung stehenden Raum musste ich eine Wahl treffen.

Beim ersten Überfliegen des Buchs könnte man den Eindruck gewinnen, die Anordnung des Materials sei ein bisschen wie Kraut und Rüben ... und abgesehen von den ersten ca. 20 Ideen täuscht dieser Eindruck auch gar nicht. Das ist nicht die Folge meiner übermäßigen Faulheit - ich wollte das genau so haben. Hätte ich z. B. vier aufeinanderfolgende Ideen zum Thema Qualitätsop­fer und dann drei Abschnitte zum Bauernsturm gebracht, könnte das ein wenig oberlehrerhaft wir­ken und dem Ganzen den Anstrich eines seriösen Lehrbuchs verleihen, auf den es mir aber gar nicht ankommt. Deshalb ist das Material thematisch eher beliebig gestreut. Damit ist derjenige, der einfach ein gemütliches Lesevergnügen sucht, gut versorgt, und wer bestimmte Themen gezielt studieren möchte, wird diese anhand des Index problemlos finden. Abgewichen bin ich davon nur bei Eröffnungsideen: Diese folgen in der Tat unmittelbar aufeinander. Natürlich sind auch Ideen, die eine Fortsetzung der vorherigen Idee darstellen, entsprechend angeordnet.

Das einzige wirklich strukturierte Material in diesem Buch finden Sie somit in den Ideen Nr. 1-21. Eine Kapitelüberschrift für diesen Abschnitt würde, wenn es eine gäbe, "Das Arsenal" lauten. Dort finden Sie standardmäßige Angriffsideen, sowie Kombinationen und Tricks, die zum takti­schen Rüstzeug jedes starken Spielers gehören. Diese Ideen müssen Ihnen in Fleisch und Blut übergehen, sozusagen zur "Routine" werden, wie Tal viele seiner Opfer genannt hat. Natürlich ist längst nicht alles, was Tal für Routine hielt, auch Routine für den Rest der Welt, aber es ist klar, dass mit der Zahl der Ideen im eigenen taktischen Arsenal auch die Spielstärke zunimmt. Wenn Sie das Buch durchgearbeitet haben, werden Sie, wie ich hoffe, auch einige der Ideen 22-101 in Ihr Ar­senal übernommen haben - so bleibt Ihrer Vorstellungskraft mehr Spielraum, um komplexere Si­tuationen in Angriff nehmen zu können. Natürlich haben starke Spieler auch ein positionelles Ar­senal, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

In diesem "Arsenal" ging es mir nicht in erster Linie um besonders attraktive Beispiele (einige spektakuläre sind aber sehr wohl dabei), sondern mehr um die Hauptelemente, die das Funktionie­ren einer Kombination letztendlich ermöglichen. Oft geht es auch um defensive Maßnahmen und Fälle, in denen das Opfer nicht zum Erfolg führt. Auch darüber muss der Angreifer unbedingt Be­scheid wissen, um korrekt beurteilen zu können, ob ihm die geplante Kombination den Schönheits­preis oder Hohn und Spott einbringen wird. Auch für den Verteidiger sind diese Informationen von großem Nutzen. Die Grenzlinie zwischen einem Buch über Angriffsideen und einem, das Tipps zur Verteidigung geben soll, ist ohnehin ausgesprochen schmal. Ich habe bewusst vermieden, Ideen nach so genannten klassischen taktischen Elementen wie Spieß oder Gabel zu klassifizieren. Für meinen Geschmack sind diese Kriterien zu abstrakt - ich arbeite lieber mit konkreten Motiven (eine Fesselung würde ich z. B. als ziemlich konkret bezeichnen).

Nach dieser instruktiven Einführungsphase entlasse ich Sie in die "freie Wildbahn" der Ideen 22-101. Das kommt auch der realen Wettkampf Situation wesentlich näher, denn in der Turnierpar­tie weiß man ja auch nie, was einen als Nächstes erwartet. Wieder wird Ihnen der Index behilflich sein, wenn Sie bestimmte Themen und Motive ganz gezielt untersuchen möchten.

In der Materialauswahl habe ich mich weitgehend, wenn auch nicht vollständig, auf Eröffnun­gen beschränkt, in denen ich mich gut auskenne. Sie werden z. B. eine Idee wie "Die Befreiung des Königsindischen Läufers" finden, aber nach so etwas wie dem "Damenindischen Monster" werden Sie vergeblich suchen. Was also gibt es noch in diesem Buch?

Nun, es gibt Ideen, die sich speziell mit den Merkmalen der einzelnen Figuren beschäftigen, und wieder andere, die die Beziehung zwischen unterschiedlichen Figuren zum Thema haben (z. B. Dame oder Turm gegen Leichtfiguren). Andere beliebte Themen sind das bereits erwähnte Quali­tätsopfer und der Bauernsturm, Opfer im Sizilianer und "Kommt alle zur Party".

Dann sind einige Partien ganz bestimmten Eröffnungsvarianten gewidmet, für die ich eine Schwäche habe. Einige dieser Eröffnungen gelten als obskur, obwohl sie das eigentlich gar nicht verdienen (Winawer mit dxc5, Fantasie-Variante), andere sind gerade dabei, wieder aus der Ver­senkung aufzutauchen (Königsgambit), und manche könnte man sogar als "Mainstream" bezeich­nen (Keres-Angriff) - aber alle stecken, wie ich denke, voller Angriffsideen.

Es gibt Ideen mit eher allgemeinen Ratschlägen, wie zum Beispiel die Partien eines bestimmten Spielers zu studieren, Blitzschach zu spielen oder sich eine Lieblingseröffnung zuzulegen. Sie wer­den vielleicht ein wenig skeptisch sein, was den konkreten Nutzen dieser Art Ratschläge angeht, aber ich bin z. B. sicher, dass die periodische und nahezu sklavische Verehrung bestimmter schar­fer Eröffnungen meinen taktischen Blick geschärft und meine allgemeine Spielstärke gehoben hat.

Die Tatsache, dass einem bestimmten Thema eine eigene Idee gewidmet wurde, heißt nicht, dass dieses Thema an anderer Stelle im Buch nicht wieder auftauchen könnte. Umgekehrt gilt, dass ein Thema, das Ihnen einfällt und das nicht mit einer eigenen Idee im Buch vertreten ist, sehr wohl in den Anmerkungen im Buch erwähnt sein kann. Die Ideen dieses Buchs führen kein Dasein in der Abgeschiedenheit, sondern interagieren aufs Heftigste miteinander. So vereinigt z. B. eine Partie, die einen Bauernsturm, ein Opfer auf h6 und Matt auf h7 enthält, schon mindestens drei unserer hier gezeigten Ideen.

Sie werden sich bei der Lektüre auf eine ganze Menge Gallagher-Partien einrichten müssen, aber diesen Preis müssen Sie immer zahlen, wenn Sie unbedingt eines meiner Bücher lesen wollen. Zumindest bin ich kein langweiliger, positioneller Spieler, daher werden die meisten Beispiele schon ihren Zweck erfüllen.

Ich war noch nie ein Fan der Methode, eine Partie mittendrin zu beginnen, deshalb wollte ich nicht nur Partieschnipsel in das Buch aufnehmen, sondern eine Sammlung kompletter und in der Regel recht aktueller Angriffspartien. Dazu habe ich am Ende einen Abschnitt mit dem Titel "Er­gänzende Informationen" eingefügt. Dort finden Sie die Züge, die zu vielen der Diagrammstellun­gen im Hauptteil des Buches führen. Auch hier war ich allerdings wählerisch und habe mich auf Partien beschränkt, deren Eröffnung für die jeweilige Idee thematisch relevant ist (oder vielleicht auch für andere Ideen im Buch), und natürlich fehlen auch die absolut herausragenden Partien nicht.

Zielsetzung

Zunächst sei darauf hingewiesen, dass dieses Buch keineswegs als erschöpfende Abhandlung über das Angreifen beim Schach verstanden werden will - bei einem Buch dieser Größe wäre das auch illusorisch. Ich hätte zu den im Buch behandelten Ideen noch viel Ausführlicheres sagen können, während es zahllose weitere Ideen gibt, die hier gar nicht erst vorkommen. Die Bücher der "101er"-Reihe können nun einmal keine komplette Abhandlung bieten. Das Format bietet aber auch Vortei­le. Zum einen mag der begrenzte Platz für den Autor ein Problem sein, für den Leser ist er oft ein verborgener Segen. Wenn jede Zeile in Gold aufgewogen wird, bleibt wenig Raum für Geschwafel - so ganz zurückhalten konnte ich mich dann aber trotzdem nicht. Drei Diagramme pro Seite sind außerdem sehr leserfreundlich. Sie brauchen kein Großmeister zu sein, um mit dem Buch etwas anfangen zu können - auch wenn Sie gerade kein Schachbrett und Figuren zur Hand haben oder zu faul sind, die Stellung aufzubauen (Idee 102 - Versuchen Sie, Partien mit vielen Diagrammen ohne Brett durchzuarbeiten). Auch ist es wohl das ideale Format für einen Autor, der einfach seine Liebe zum Schach im Allgemeinen und zum Angriffsspiel im Besonderen vermitteln möchte. Und genau darum geht es mir in dieser eher persönlich gehaltenen Darstellung des Angriffsschachs. Ich hoffe, Sie finden hier genügend Material, um Ihre Angriffstechnik zu verbessern und Ihre schachliche Vorstellungskraft zu beflügeln. Das sollte dann nicht nur zu besseren Ergebnissen, sondern auch zu mehr Freude am Schachspiel führen.

Zum Schluss möchte ich Richard Forster danken, der während der Mannschaftseuropameister­schaft in Batumi das Manuskript las und mich auf einige Ungenauigkeiten hinwies sowie zahlrei­che interessante Vorschläge beisteuerte

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