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Der Klassische Sizilianer

GAMAYDKS

Der Klassische Sizilianer

von  Joe Gallagher 
128 Seiten, kartoniert, 2006, Deutsch

GAMAYDKS

 

Schach konkret ist eine neue Buchreihe über Schacheröffnungen. Es handelt sich dabei nicht um Theoriebücher im herkömmlichen Sinn, sondern um eine Reihe von Lektionen eines Schachexperten, der in der jeweils behandelten Eröffnung über umfassende praktische Erfahrung als Turnierspieler verfügt. Sie werden sich ein fundiertes Verständnis der Eröffnung und der daraus hervorgehenden Mittelspieltypen erarbeiten und auf diese Weise die richtigen Pläne und Züge auch in Ihren eigenen Partien finden. Es ist, als ob Sie mit einem hochkarätigen Schachtrainer am Brett sitzen, der Ihre Fragen beantwortet zu den Plänen für beide Seiten, zu den Ideen hinter bestimmten Zügen und zu dem Wissen, das Sie auf jeden Fall beherrschen müssen.

- 25 aktuelle, lehrreiche und ausführlich besprochene Musterpartien - Einführungen zu den einzelnen Kapiteln mit Beschreibung der Kernpunkte - Vollständiger Partien- und Variantenindex - Ausführliche verbale Erläuterung der verschiedenen Pläne und Manöver

Der Klassische Sizilianer ist eines der beliebtesten und angesehensten Sizilianisch-Systeme überhaupt und gehört zum Repertoire von Spielern wie Anand, Kramnik und Schirow. Schwarz entwickelt seine Figuren schneller als in vielen anderen sizilianischen Systemen, und oft entsteht ein lebhaftes und komplexes Figurenspiel. Die gängigste und kritischste Fortsetzung für Weiß ist der Richter-Rauser-Angriff. Gerade die letzten paar Jahre brachten eine Diversifizierung der Pläne beider Seiten in dieser stets populären Variante. Gegen die weißen Alternativen zum Rauser-System behandelt Yermolinsky Fortsetzungen, die die unabhängige Bedeutung der Zugreihenfolge des Klassischen Sizilianers wahren, wie etwa 6 Bc4 Qb6 - eine Variante, in der er selbst zu den führenden Experten zählt.

Großmeister Alex Yermolinsky ist einer der stärksten Spieler in den Vereinigten Staaten. Er war Meister der USA im Jahr 1996, und in den Jahren 1995 und 1997 gewann er die Offenen Meisterschaften seines Landes. Er sekundierte Irina Levitina bei ihrem Kampf um den WM-Titel der Frauen in den Jahren 1982-84, außerdem befinden sich unter seinen Schülern mehrere Großmeister der Spitzenklasse sowie ein Juniorenmeister der USA. Sein erstes Buch für Gambit Publications, Der Weg zur Verbesserung im Schach, wurde mit dem Cramer-Preis des Schachverbandes der USA für das beste Lehrbuch ausgezeichnet.

Einführung

Ein Theoriebuch?

Ganz ehrlich: Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals ein Buch über Eröffnungen schreiben würde. Mit der Vorstellung, Berge von Material zu sammeln und dem arglosen Leser vor die Füße zu wer­fen, konnte ich noch nie etwas anfangen. Als Praktiker und Spieler hielt ich diese Art von Eröff­nungsliteratur auch schon vor dem Computerzeitalter für wenig hilfreich. Und heute, da jeder Tur­nierspieler mit Laptop unterwegs ist und von vornherein Zugang zu Millionen von Partien hat, erscheint es mir noch viel weniger sinnvoll, Massen von Varianten in Buchform zu präsentieren.

Sosehr die Autoren von Eröffnungsmonographien auch betonen mögen, es gehe ihnen vorran­gig um das Vermitteln von Ideen: Die Wirklichkeit entspricht oft eben doch genau dem, was ich be­klage - viel zu viele Daten und zu wenig erläuternder Text. Die Notwendigkeit, einen möglichst großen Theoriebereich abzudecken, macht oft auch die besten Absichten der Autoren zunichte. Die Theorie wächst so rasant, dass das Buch bei Fertigstellung eigentlich doppelt so dick sein müsste wie ursprünglich geplant. Und das bisschen Platz, das noch für verbale Erläuterungen bleibt, wird nicht selten angefüllt mit ermüdenden Floskeln à la "die bessere Bauernstruktur garan­tiert dem Weißen einen stabilen Vorteil" oder "Schwarz hat ausreichendes Gegenspiel für den Bau­ern". Gegen solche Bewertungen ist per se gar nichts einzuwenden, und auch ich bediene mich die­ser Floskeln im vorliegenden Buch zur Genüge. Das Problem ist nur, dass derartige Bewertungen oft durch den Ausgang der Partie beeinflusst sind, oder auch durch den Namen des jeweiligen Spie­lers ("Das hat Anand mit Weiß gespielt, das muss einfach gut und richtig sein!"). Offenkundig ha­ben die Autoren nicht die Zeit, um alle Partien, auf die sie Bezug nehmen, ausführlich zu analysie­ren - es sind schlicht zu viele.

Ich war zunächst reichlich skeptisch, als der Gambit-Verlag mit der Idee an mich herantrat, ein Theoriebuch zu schreiben, begriff aber irgendwann, dass es hier um etwas anderes ging.

Das Format, das Gambit für seine Eröffnungsreihe "Schach konkret" gewählt hat, ermöglicht eine tiefgründige und individuelle Untersuchung von Eröffnungsideen. Es geht hier weniger um die angeblich oder mutmaßlich "besten" Züge, es geht zunächst einmal um komplette Partien. So erhält der Leser die Gelegenheit, die Partie bis zum Ende zu verfolgen, ohne sich vom neuesten Ur­teil der Theoretiker unnötig ablenken zu lassen, das vielleicht ohnehin bald wieder hinfällig wird. Handfeste Erläuterungen anstatt einer bloßen Ansammlung theoretischen Materials - die Idee hat mich überzeugt. Aber welche Eröffnung sollte ich dafür wählen?

Der Klassische Sizilianer

Ich ging auf Nummer Sicher und entschied mich für die Klassische Sizilianische Verteidigung, eine Eröffnung, die ich selbst schon seit fast drei Jahrzehnten mit Schwarz gespielt habe.

Man bat mich, 25 moderne Großmeisterpartien auszuwählen, was ausreichen sollte, um das Ideenspektrum jeder Eröffnung einigermaßen zu erfassen, selbst bei einer so gut erforschten Eröff­nung wie dem Klassischen Sizilianer. Da ich so viele verschiedene Untervarianten schon selbst ge­spielt hatte und mit den verschiedensten Antwortmöglichkeiten von Weiß konfrontiert worden war, wäre es wahrscheinlich problemlos möglich gewesen (und durchaus verlockend!), das Buch aus­schließlich auf meine eigenen praktischen Erfahrungen zu gründen. Das jedoch wäre dem Leser gegenüber nicht sehr fair, denn die meisten Partien wären zum einen nicht besonders aktuell und würden zum anderen das Buch zu sehr an meinen persönlichen Vorlieben ausrichten. Ich musste mich also in die Datenbanken vertiefen und dort nach geeigneten Beispielen suchen. Da es sich aber bei dem vorliegenden Buch um ein Eröffnungsbuch handeln sollte, entschied ich mich für eher kurze Partien, oder doch zumindest solche, in denen die Entscheidung vor dem Erreichen des Endspiels gefallen war. Die damit verbundene Vernachlässigung des Endspielaspekts geht mit ei­ner gewissen statistischen Verfälschung der Ergebnisse zu Gunsten von Weiß einher, was dem Buch als Minuspunkt angekreidet werden könnte.

Jede Partie enthält ca. neun Diagramme - einige folgen der Textfortsetzung, andere den Analysen und Anmerkungen. In den meisten Fällen führen die angegebenen Varianten nicht weiter von einem Diagramm weg als fünf oder sechs Züge. Ich hoffe, der leidlich erfahrene Leser wird so in die Lage versetzt, auch ohne Zuhilfenahme von Brett und Figuren mit dem Buch sinnvoll arbeiten zu können.

Da es sich hier nicht um ein Theoriebuch im herkömmlichen Sinn handelt, habe ich mir erlaubt, gegen eine Kardinalregel zu verstoßen und nicht zu jeder Variante am Ende die entsprechenden Quel­len anzugeben. Das kann dazu führen, dass der eine oder andere Spieler seine eigenen Züge ohne Er­wähnung seines Namens wiederfinden wird. Hierfür bitte ich vorab schon einmal um Vergebung.

Und ein Letztes...

Hier noch ein Wort an diejenigen, die einen unmittelbaren Ertrag aus ihrer Investition in dieses Buch erwarten und lieber das spielen und studieren, was gegenwärtig von der Weltelite praktiziert wird. Die Theorie ist ein kapriziöses Wesen: Eröffnungen sind Modeerscheinungen, die oft ebenso schnell wieder von der Bildfläche verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Vor zehn oder fünfzehn Jahren hatte der Klassische Sizilianer anscheinend mehr Gewicht als heute. In der Tat sind ihm ei­nige der besten Spieler (z. B. Kramnik) untreu geworden und verschanzen sich heute lieber hinter der vermeintlichen Sicherheit der Russischen Verteidigung oder der spanischen "Berliner Mauer". Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Ich hoffe doch, dieses Buch gerät nicht zum Requiem, son­dern wird zur Inspiration für künftige Generationen von Anhängern der Klassischen Sizilianischen Verteidigung.

Alex Yermolinsky

San Francisco, Kalifornien

Dezember 2005

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