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A Complete Guide to the Grivas Sicilian

GAMEGCGGS

A Complete Guide to the Grivas Sicilian

von  Efstratios Grivas
144 Seiten, kartoniert, 2006, Englisch

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This book is in every way a definitive guide: Efstratios Grivas provides the inside story on a variation of the Sicilian Defence that he has worked for more than 20 years to perfect, and which rightly bears his name.

The Grivas Sicilian (1 e4 c5 2 Nf3 Nc6 3 d4 cxd4 4 Nxd4 Qb6) has proved itself sound and reliable in practice, but is also far less well investigated than most Sicilian systems. This gives it an extra sting in practice, which readers will be able to use to their advantage over the board - it is most unlikely that their opponents will have a well-worked-out response ready.

The Grivas Sicilian generally leads to positions akin to the Scheveningen, but with some subtle differences. Grivas explains these subtleties at length, helping readers to exploit all their chances to seize the initiative. He also provides a wealth of vital strategic explanation, based on his many years of over-the-board experience against players of all standards.

Grandmaster Efstratios Grivas lives in Athens and is also an International arbiter and organizer. He has represented his country on a great many occasions, winning an individual gold medal at the 1989 European Team Championship and an individual silver medal at the 1998 Olympiad. He is a federal trainer and an experienced writer, though this is his first book in the English language.

Abseits der Hauptvarianten gilt in der moder­nen Eröffnungstheorie, dass manche Varian­ten nur einmal in Mode kommen, andere Sei­tenwege hingegen latent in der Informations­flut mitschwimmen und in Dekadenzyklen Veröffentlichungen erleben. Der sizilianische Damenausfall nach b6 im vierten Zug ist so eine Spezialität, die nach 1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 eine Unmenge Theorie­ballast abwirft. Eigentlich ein tolles System für die oft zitierten Spieler, denen Zeit und Muße für eine ausführliche Vorbereitung feh­len. Dieser Schachspielertyp wird häufig dem Chess960 als Kundenkreis angedichtet, aber jeder, der diese Spielart jemals getestet hat, weiß, dass man dort eigentlich von Zug eins vor mittelspielähnlichen Stellungen sitzt, wo mit umfassendem Wissen im Mustererkennen bestückte Vielspieler besser dran sind. Wenig Zeit haben bedeutet de facto, die knappen Stunden für eine maßgeschneiderte Spielan­lage zu nutzen. Dazu eignet sich das vom grie­chischen Großmeister Efstratios Grivas un­tersuchte System, denn Schwarz diktiert bereits im 4. Zug die Konturen der Eröffnung. Nach dem weltweit ersten Buch von Zoran Ilic (Batsford 1998) gibt es hier auf 144 Seiten erst zum zweiten Mal eine Durchsicht der Abspie­le. Es ist bestimmt kein Zufall, dass beide Bü­cher genau gleich dick sind, denn wie die unten in der Beispielpartie angeführten Seitenum-fänge der einzelnen Kapitel vermuten lassen, reicht dieser Wissensgrundstock zum Navigie­ren ins Mittelspiel aus. Als Faustregel bleibt festzuhalten, dass die Abspiele der kürzeren Kapitel für Schwarz stets mindestens Aus­gleichswege finden, während die längeren Abschnitte sich auf Spielweisen mit entgegen­gesetzten Rochaden beziehen, wo entspre­chend mehr Figurenaktionen an den Flügeln stattfinden. Doch sowohl in seinem Buch beim Gambit-Verlag als auch in der einige Monate später erschienenen Kurznachlese im New in Chess Jahrbuch Nr. 78 führt der Athener noch andere Argumente an. warum er die Variante empfiehlt und ihr 20 Jahre in über 150 Tumierpartien die Treue hielt (und es deshalb ge­rechtfertigt scheint, ihr seinen Namen zu ge­ben). Gerade für Vereinsspieler und ambitionierte Openspieler sollten die Argumente schlagend sein: Allein eine Auswertung von 160 Partien aus den ersten elf Monaten 2005 ergab eine schwarze Erfolgsquote von 60% (gegenüber den bei Sizilianisch üblichen 48%). D. h. selbst bei den elektronisch erfassten Turnierpraktikern zwischen Elo 2000 und 2700 zeigen Weißspieler entweder schwaches Wissen oder kommen mit der Variante weni­ger zurecht. Wenn schon hier "Black ist o.k." gilt, dann sicher auch im Alllag des Vereins­spielers. Zudem lernt man mit dieser überschaubaren Materialbasis viele Motive und verwandte Ideen zu anderen sizilianischen Systemen (insbesondere der Kan- und Taimanow-Variante bzw. dem Scheveninger System) kennen. Selbst Garry Kasparow zuck­te die Dame schon mal nach b6 raus (in einer Blitzpartie 1998 gegen Roland Schmalz). Ur-Vater ist Louis Paulsen, der Pionier vieler Ideen im Sizilianer, der damit 1881 Tschigorin über­raschte. Doch auch die heutige Zeugenliste der 40 bekanntesten Anhänger, die Grivas anführt, ist verlässlich und reicht von angriffsorientierter Weltspitze (Alexander Morosewitsch, Judit Polgar, Wladimir Akopjan), erfahrenen Turnierhasen (insbesondere dem Litauer Aloyzas Kveinys, der den Damenausfall auch mit 2. ...e6 statt ...Sc6 anwendet) bis soliden Spielern (wie dem russischen Eröffnungs­theoretiker Ruslan Scherbakov oder Bundes­trainer Uwe Bönsch).

Um einen Geschmack zu vermitteln, soll eine Schwarzpartie von Ex-Weltmeisterin Zhu Chen zeigen, wie man als Weißspieler den Faden verlieren kann (Anmerkungen nach Zug 15 aus NiC-Jahrbuch).

Sizilianisch B 33

R. Schoorl - Zhu Chen

Amsterdam (ACT Open) 2005

1. e4 c5 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Db6 5. Sb3 13 Seiten zu 5. c3,5. Sf3, 5. Sf5, 5. Se2 und 5. Le3. 5. ...Sf6 6. Sc3 Sieben Seiten zu 6. f3, 6. Le3 und 6. Ld3. 6. ...e6 7. De2 Fünf Seiten zu 7. g3 und acht Seiten zu 7. Lg5. 11 Seiten zu 7. a3 bzw. 3 Seiten zu 7. Le2. Zu 7. Ld3 und nun 7. ...d6 (acht Seiten gibt es zu ...a6 und ...Lb4) 8. 0-0 a6 9. a4 erfährt man auf 9 Seiten (Das Abspiel mit 9. Kh 1 Le7 10. f4 Dc7 11. Ld2 bekommt fünf Seiten). Zu 7. Le3 Dc7 8. f4 a6 (8 .. .d6 und 8 .. .Lb4 er­halten sieben Seiten) 9. Ld3 d6 kommt ein Hauptzweig mit sieben Seiten für 10. De2 und alternativ 10. Df3, dem mit 27 Seiten ausführ­lichsten Abschnitt! 7. ...Lb4 Diese Variante ist im Buch mit 7 Seiten bedacht. 8. Ld2 0-0 9. a3 Le7 10. g4 d5! 11. g5 Oder 11. exd5 Sxd5 12. Sxd5 exd5 13. 0-0-0 d4 14. Tg1 Le6 15. Db5 Dc7 16. Sc5 Ld5, was Grivas auf der Grundlage der Partie Külaots-Zubarev, Charkov 2003, als "unklar" bewertet. Unter dieser Bewertung versteht der Grieche, wie er im Jahrbuch ausführt, dass beide Seiten ohne Verlustgefahr ihr Spiel aufziehen kön­nen. 11. ...Sxe4 12. Sxe4 dxe4 13. Dxe4 e5! 14. Ld3 g6 15. 0-0-0?! Dies ist eine bestimmt nicht so starke Neuerung, die im Juli 2005, just zum Zeitpunkt als sich das Gambit-Buch in der Endredaktion befand, gespielt wur­de. Zuvor scheuchte man stets die schwar­ze Dame zurück: 15. Le3 Dc7 16.0-0-0 (16. Dg2?! Le6 17. h4 Tfd8 18. Sd2 Sd4 19. Lxd4 Txd4 20. f3 Tad8 lief im Sinne von Schwarz in Kalesis-Grivas, Iraklin 1992.) 16. ...Lf5 17.Dh4 Lxd3 18. Txd3 Tfd8 führte auch zu keinen schwarzen Kla­gen in Balinov-Golod, Wien 1998. 15. ...Lf5 16. De2 Lxd3 17. Dxd3 Tfd8 17. ...Dxf2! ist etwas besser für Schwarz. 18. Dg3 Sd4? 18. ...Tac8 19. The1 Sd4 20. Sxd4 exd4 ist unklar. 19. Dxe5! Sxb3+ 20. cxb3 Txd2 21. Kxd2 Lf8 22. De3 Lc5 23. Dc3 Ld4 24. Dc4 Lxb2 25. Kc2 Lxa3 26. Td2 Lb4 27. Td4 Lc5 28. Tf4 Tf8 29. Te1 Dc7 29. ...Ld6! 30. Tf3 Da5 31. Te8 Da2+ ergibt gleiches Spiel. 30. Tfe4 b5 31. Dxb5 Lxf2+ 32. Tc4 Dd8?! 32. ...Dxh2! 33. Te2 Dg3 34. Te8 Dh2 35. Kb1 Lg3 36. Txf8+ Kxf8 37. Tc2 ist nur leicht besser für Weiß. 33. Te2 Lb6 34. h4 h6 35. gxh6 Df6 36. Te8? 36. h5! bringt Weiß gutes Spiel. 36. ...Txe8 37. Dxe8+ Kh7 38. Df8 Df2+ 39. Kc3 De1+ 40. Kc2 Df2+ 41. Kc3 Df6+! 41. ...De1+! hält die Balance. 42. Kc2 Ld4? 42. .. .Df2+ führt zu Gleichgewicht. 43. Txd4? 43. Dg7+ Dxg7 44. hxg7 Lb6 45. Kd3 belässt Weiß mini­male Chancen. 43. ...Dxd4 44. Dxf7+ Kxh6 45. De7 Df2+ 46. Kc3 Df3+ 47. Kb2 Dg2+ 48. Ka3 Dg1 49. Kb2 Dd4+ 50. Ka2 Dd2+ 51. Kb1 a5 52. Ka1 Kh5 53. Dh7+ Dh6 54. De7 Dc1+ 55. Ka2 Dd2+ 56. Ka3 Db4+ 57. Dxb4 axb4+ 58. Kxb4 Kxh4 59. Kc4 g5 60. b4 g4 remis

Unter dem Strich: Der Grivas-Sizilianer taugt für alle, die gerne experimentieren und mit dem Urteil "unklar" vereinbaren kön­nen, dass dahinter Ideen lauern, die wenig standardisiert sind und beiden Seiten etwas bieten. Neben der Vorbereitung auf diese Kreativitätsprüfung liefert Grivas zu jedem Abspiel einige Worte zur griechischen My­thologie, obwohl nicht immer schlüssig ist, warum diese oder jene Variante jetzt Medusa-, Zeus- oder Eros-Variante usw. heißen muss ...

Harald Fietz, Schach-Magazin 64 11/2006

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