Frag Rattmann, Rattmann hat ...

Figuren und Bretter - richtig kombiniert ...

Die Wahl der Figuren und des Schachbrettes sind fast immer eine Wahl des persönlichen Geschmacks. Die Ausnahme dazu ist das Turnierschach, dass sich durch sehr klare Regeln und Richtlinien für Größe, Design und Auswahl der Figuren und der dazugehörigen Schachbretter auszeichnet.

Beispielsweise hat die US Chess Federation "Equipment Standards" in ihrem Regelwerk ausgewiesen. Für Schachfiguren gilt: Der König muß eine Größe zwischen 3 3/8" (85,725mm) und 4 1/2" (114,3mm) mit einem Fußdurchmesser von 40-50% der Höhe haben. Die Dimensionen des Schachbrettes spezifiziert die USCF folgendermaßen: 

"The pieces should fit comfortably on the board, being neither too crowded nor too isolated on the squares. The king and queen, for example, should be subject to easy placement on a square without touching any edge. Boards for standard sets should have squares of approximately 2-2 1/2 inches (5.08-6.35cm). One convenient test is that the square formed by the bases of four pawns should be about the same size as any square on their board." 

[The USCF's Official Rules of Chess/compiled and sanctioned by the U.S. Chess Federation.-4th Ed., ISBN 0-8129-2217-4, David Mckay Company, Inc., pgs. 165-166]

Dies ist eine Richtlinie für eine fest definiertes Umfeld; wenn Sie nämlich in einem von der USCF sanktioniertem Turnier spielen. In dem Bild links können Sie sehen, wie das aussieht. Diese sogenannte 4-Bauern-Regel gibt Aufschluß über ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Figuren und Brett. 
Aber was ist, wenn Ihre Figuren einen ungewöhnlich breiten oder schmalen Fuß haben (z.B. kleiner als 40% von der Königshöhe) ?

Richtlinien jenseits des Standards

Nun lassen Sie uns einige Beispiele ansehen, in denen Brett, Figurensatz oder Ihr persönlicher Geschmack eben nicht dem offiziellen Standard entsprechen. Wir werden bemüht sein, Ihnen anschauliche Beispiele für "Staunton Standards" und "non-Staunton Standards" zu geben. Weiter unten sehen Sie einige Beispiele für "Staunton Standard" Sets mit den dazu harmonierenden Brettern. Sie können diese Beispiele auch als Vorlage für Farben und Ausmaße nehmen.Die Vier-Bauern-Regel wird bei den meisten Figurensätzen nicht greifen, da jeder Figurenhersteller seine eigenen Figuren in unterschiedlichen Stilrichtungen herstellt. Konzentrieren Sie sich also völlig auf die Ästethik.

Wenn Sie sich unsere Figurenbeschreibungen ansehen, werden Sie schnell merken, dass wir neben der Königsgröße immer den Fußdurchmesser angeben. Warum machen wir das? Nun weil wir eine einfache Methode entwickelt haben, die richtige Brettgröße für die jeweiligen Figuren zu ermitteln. Wir nennen Sie "die 75% Regel". Es ist eine einfache kleine Regel, die besagt, dass der Durchmesser des Fußes des Königs 75% der Feldgröße nicht überschreiten sollte. Einfach! Nun nicht wirklich, jede Regel hat ihre Ausnahmen, aber für die meisten Fälle kommt man zu einem guten Ergebnis. Wenn Sie sich die Beispiele links ansehen, so sehen Sie die angewendete "75% Regel". Der König hat einen Fußdurchmesser von 44mm und das Schachbrett hat einen Felddurchmesser von 57mm, das sind 77%. Sie sehen, dass der König fast ein bischen zu groß für das Brett ist, aber sich immer noch im vertretbaren Rahmen hält.

Nun sehen wir uns Kombinationen außerhalb dieser Regel an. Das nächste Bild zeigt einen Schachsatz, in dem die Figuren größer sind, als es die Regel vorgibt. Das Brett wirkt überfüllt. Auf einem solchen Brett ist es sehr schwierig zu spielen und ganz nebenbei nimmt man sich die Möglichkeit, die Schönheit der Figuren zu bewundern.

Aber auch umgekehrt funktioniert es nicht. Dieses Beispiel zeigt die Situation, in denen die Figuren unterhalb der 75% Regel liegen. Sie sehen, die Figuren wirken verloren auf dem großen Brett. Der Platz zwischen den Figuren ist so groß, dass die Postionen während des Spiels unklar werden, speziell im Endspiel wenn nur noch wenige Figuren auf dem Brett stehen. Und ganz nebenbei verlieren selbst die schönsten Figuren mächtig an Imposanz. Beachten Sie die Regel, werden Sie mit Ihrem Spielmaterial noch viel mehr Freude haben. Sie können aber natürlich variieren, Wollen Sie z.B. bewußt etwas mehr Platz zwischen den Figuren, so tendieren Sie in der Regel eher in Richtung 70%, sollen die Figuren mehr zusammenrücken, so tendieren Sie in Richtung 80%. Wir empfehlen aber, diese Grenzen nicht zu überschreiten.

Wie sieht das aber bei Non-Staunton Sätzen aus?

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Proportionen gibt es keine verlässliche Regel. Hier sind die Erkenntnisse, die Sie aus den oben geschilderten Situationen nötig und Ihr Gefühl für Ästethik. Sehen Sie sich dazu unser Beispiel an. Sie sehen, dass König George zwar einen schmalen Fuß hat, aber aufgrund seiner übrigen Dimensionen ein breiteres Brett erfordert. Als Hilfsmittel hat sich hier bewährt, dass die Königshöhe nicht höher sein sollte als die Breite zweier Felder. Dies funktioniert übrigens auch bei Stauntonartigen Figuren mit besonders breiten oder schmalen Füssen.

Farben und Kontraste

Kommen wir zu einem Thema, das so vage ist, wie das Bermuda Dreieck. Hier spielen die Ästhetik und der persönliche Geschmack die erste Geige. Aber dennoch gibt es auch hier einige Regeln, die Ihnen helfen können, die richtige Wahl zu treffen:

  • Beachten Sie Ihre eigenen Vorlieben! Sind Sie ein Freund hoher Kontraste oder lieben Sie es eher harmonisch? Entscheiden Sie sich möglichst immer für Ihr Empfinden.
  • Beachten Sie den Kontrast! Je höher der Kontrast zwischen den hellen und dunklen Figuren, umso höher sollte der Kontrast zwischen den hellen und dunklen Felden auf dem Schachbrett sein und umgekehrt.
  • Beachten Sie die Harmonie! Die Farbenlehre unterscheidet zwischen warmen und kalten Farben. Grundsätzlich gilt, alle braunen Farbtöne sind warme Farben und alle blauen Farbtöne sind kalte Farben. Sie werden immer gut damit fahren, warme und kalte Farben nicht zu vermischen.
  • Beachten Sie Komplementärfarben! Auch in diesem Punkt kommt die Farblehre wieder ins Spiel. Es gibt auf der Farbskala Farben, die wenn sie aufeinandertreffen, auf der Netzhaut ein Flimmern erzeugen. Es handelt sich dabei um Kombinationen wie Gelb/Blau, Grün/Rot, etc. Diese Farbkombinationen werden soviel Unruhe erzeugen, dass Sie sich nicht auf das Spiel konzentrieren können.
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