In welchem Lande und zu welcher Zeit das Schachspiel erdacht sein mag, steht nicht unzweifelhaft fest. Auch wird über seine ursprüngliche Gestaltung gestritten, aber gänzlich unbekannt ist der Name des Erfinders. Alles was hierüber und hinsichtlich der Umstände der Erfindung erzählt worden ist, hat nur den Wert gleichgültiger Fabeln. Der grössten Wahrscheinlichkeit nach gehört die Erfindung nach Indien und betraf ein, dem heutigen Schach entsprechendes, reines Kombinationsspiel auf einem Brett von 8 x 8 Feldern.
Für indische Verhältnisse sind Zeitangaben kaum je mit voller Bestimmtheit zu machen, aber ein einigermaßen gesichertes Datum für die frühe Erfindung des Spieles lieferte, zugleich mit dem Hinweis auf das Morgenland, ein Vortrag des Akademikers Freret, am 24. Juli 1719. Er behauptete, dass es um 537 nach Christi von Indien nach China kam.
Zuweilen hat man auch an Ägypten als Ursprungsland gedacht. Das Vorhandensein von uralten plastischen und bildlichen Darstellungen mit Personen an einem Brettspiele gaben dazu Anlaß.
Kein heutiger Ausdruck im Schach führt uns aber auf einen ägyptischen Ursprung zurück. Das klassische Altertum konnte nichts vom Schach wissen und sämtliche Deutungen in dieser Richtung haben sich immer wieder als Irrtum und falsche bzw. mißdeutige Übersetzungen erwiesen. Gerade um die Jahrhundert- wende herum beschäftigte man sich sehr mit der Theorie, des Ursprungs in Indien.
Bild: Älteste bekannte Figuren, 6. Jhdt. n. Chr
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Wie wir bisher gesehen haben, wird die anfängliche These nicht im geringsten erschüttert. Woher aber kommt diese fast unumstößliche Meinung, dass um etwa 500 herum Schach in Indien enstanden ist. Nun dies führt wohl auf ein altes Werk des persischen Dichters Firdusi zurück, der fast beiläufig in seinen Erzählungen an zwei Stellen auf das Schachspiel kommt.
Bild: Firdusi von Khurasan: Homer von Persien
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Es handelt sich um das Shah Nameh. An der ersten Stelle berichtet Firdusi wie Kosroes (532 - 578) eine indische Gesandtschaft empfing, die ihm ein Schachspiel nebst Figuren brachte und dabei erklärte, der indische König wolle den verlangten Tribut entrichten, wenn die Perser die Regeln des Spiels errieten, Bei diesem Anlass zählt Fidusi die Figuren in der Ordnung auf, wie wir sie heute kennen. Natürlich errieten die Perser die Regeln und gaben den Indern ein anderes Spielrätsel über das Nerd auf, das aber ungelöst blieb, worauf der Tribut entrichtet wurde. Es sei erwähnt, dass Firdusi hier auf eine ältere Quelle zurückgegriffen hat, dem Pahlavi Kudai Nameh.

Das Shah Nameh von Firdusi gehört zu den größten und bekanntesten Werken seiner Zeit. Geschrieben wurde es für den Sultan Mahmud von Ghazma. Das Shah Nameh enthält fast 60.000 Verse und basiert auf dem Khvatay-namak, die Geschichte über die Könige von Persien bis zum 7. Jhdt.
Diese Geschichte ist eine poetische Fiktion und kann nur für die Zeit, in der sie erzählt wurde, als Beweis für die damals verbreitete Kenntnis vom Schach dienen. Dennoch hat man daraus den geschichtlichen Schluss gezogen, das Spiel sei aus Indien zu den Persern, die es noch nicht kannten, im 6. Jhdt., also zur Zeit Justitians gekommen. Auf Firdusi ist demnach die sehr verbreitete und oft in Werken über Schach oder sonstige Spiele wiederholte Behauptung zurückzuführen, das Spiel sei etwa um 500 in Indien entstanden.
Die Herren Forbes und Weber bemühten sich in ihren Werken um den Ursprung über die Herleitung des Wortes Chaturanga. Ein alter Sanskrit-Begriff, der lange Zeit mit "Spiel der vier Könige" übersetzt wurde. Nach allgemeiner Ansicht handelt es sich aber dabei um eine Abart des Schachs, dem Würfelschach, dass bei Feierlichkeiten beim Vollmondfeste gespielt wurde um sich die Zeit zu vertreiben. Diese Auslegung geht auf AL BIRUNI zurück, einst Mathematiker, der ein sehr berühmtes Geschichtswerk über Indien verfasste. Er lebte lange Zeit in Indien und war des Sanskrits mächtig.
Der Übergang von Persien zu den Arabern wird indess nicht allein durch die Namen des Spiels, sondern auch durch die Bezeichnung der Stücke bekundet. Schah ist als König aus dem persischen ins arabische Spiel gekommen und Shah-mat ist ein persisch und arabisch gemischtes Wort, das sich in dieser Form als Schach Matt erhalten hat. Pil (Elefant bzw. Läufer) hat keine Sprachwurzel im Sanskrit, ist aber neupersisch und wurde arabisch zu Al Fil. Baidaq für Fußgänger ist ganz persisch.
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