Diese rätselhaft wirkende, abstrakte Form der Schachfiguren lässt sich bis in das 8. Jhd. nach Chr. zurückverfolgen. Bis in das hohe Mittelalter wurden die Figuren mehr oder weniger in dieser Form verwendet. Das charakteristische Erscheinungsmerkmal entwickelte sich aus dem Zusammenwirken einfacher räumlicher Grundformen.
Als das Schachspiel im Zuge seiner Ausbreitung die Grenzen zur moslemischen Welt überschritt, konnte die Gestaltung indischer Figuren nicht übernommen werden. Eine Koranauslegung verbietet grundsätzlich die Abbildung von Lebewesen.
In der abstrakten Kleinplastik fanden die arabischen Schachfiguren ihre mit den Regeln des Islams harmonisierende Form. Vom rein indischen Kunstverständnis gelöst, erhielt die Schachfigur in der arabischen Abstraktion eine zeitlose, universelle Formensprache. Trotz des tiefgreifenden Wandels lebt in ihr aber weiterhin die Grundform indischer Schachfiguren.
Bild: Fund in einem Schiffswrack vor Anatolien ca. 11. Jhd. n. Chr.