Ask Rattmann, Rattmann has ...

Überschrift R5
Überschrift R5
* 20. Oktober/1. November 1892 Riga
† 24. März 1946 in Estoril
 
Aljechin, zwei Jahrzehnte lang französischer Staatsbürger, zeigte bereits bei Kriegsausbruch, Doch änderte er seine Ansichten grundlegend, nachdem Deutschland die UdSSR 1941 angegriffen hatte. Er zeigte sich bereit, für die Nazis seinen Namen in den Dienst der Propagandamaschine zu stellen.
 
1942 erschien unter Aljechins Namen in einer niederländischen Zeitung bzw. Deutsche Zeitung in den Niederlanden (auf dem  Bild unten ist die norwegische Variante angezeigt) ein Propagandaartikel über jüdisches und arisches Schach. Danach erschien der Artikel nochmals in der Deutschen Schachzeitung.
 
Nach dem Krieg als Kollaborateur beschuldigt, bestritt er zunächst die Urheberschaft. Später gabe er zu, dass er die Artikel geschrieben hätte, die Nazis aber rassistische Passagen eingeschoben hätten. Dies aber ist bei eingehender Prüfung höchstens an zwei Stellen im gesamten Text erkennbar. Überwiegend ist aber der Text so sehr in einem Stück verfasst, von antisemitischen Gedanken durchzogen, dass sie nur aus einer Feder stammen können, der von Aljechin.
 
Die Diffamierung ging sogar so weit, dass er sie mit Erinnerungen an Ergebnisse, Turniere und Schicksale verband, die aber im Gegensatz zu den tatsächlichen historischen Gegebenheiten standen.
 
Man sehe nur die Aussagen, die er zum Turnier von New York 1927 machte oder in einem Artikel im August 1929 in der New York Times, in der er die Schachwelt in zwei Gruppen teilte:
 
" Zu den Verdammenswerten zählen hier Capablanca, Maroczy, Vidmar und Euwe, da diese Spieler Schach nicht als Kunst betrachteten und immer nur gewinnen wollen. Anders dagegen Breyer, Reti, Bogoljubow, Nimzowitsch, Sämisch und Colle." Wieviel Phantasie, Temperament und Willenskraft diese doch entfalten."
 
Gegensätzlicher kann eine Meinung nicht sein.
 
Wir werden im Folgenden nicht auf den kompletten Artikel eingehen, sondern lediglich auf die Passagen, die Nimzowitsch direkt betreffen.
 
 
 
Überschrift R5
[...] Der Rigaer Jude Aaron Niemzowitsch gehört weniger in die Zeit der Laskerschen, sondern eher in die Zeit der Capablancaschen Periode. Seine instinktive, antiarische Schachauffassung wurde auf merkwürdige - unterbewußt und gegen seinen Willen - durch den slawisch-russischen Angriffsgedanken (Tschigorin) beeinflußt. Ich sage unterbewußt, denn wie hasste er die Russen, uns Slawen! Nie werde ich ein kleines Zwiegespräch vergessen, das wir am Schluß des New Yorker Turnieres 1927 hatten. Niemzowitsch wurde nämlich dort von mir überflügelt und von dem jugoslawischen Großmeister Prof. Vidmar mehrfach in Einzelspielen besiegt. Darüber wütend, wagte er es zwar nicht, uns direkt anzugreifen, brachte aber eines Abends das Gespräch auf das Sowjetthema und setzte, sich zu mir wendend, hinzu: " Wer sagt Slawe, der sagt Sklave". Worauf ich ihm die Antwort gab: "Wer aber Jude sagt, braucht wahrlich nichts mehr hinzuzufügen".
Niemzowitsch erwarb sich in gewissen Kreisen den Ruf als "tiefer Theoretiker", hauptsächlich durch die Veröffentlichung von zwei Büchern, denen er die Titel "Mein System" und "Die Praxis meines Systems gab". Meiner innersten Überzeugung nach stützt sich jedoch das ganze "System" von Niemzowitsch (abgesehen davon, daß er durchaus nicht originell ist) auf falsche Vorausssetzungen. Denn Niemzowitsch begeht nicht nur den Fehler, von einem analytischen Beginn zu einem synthetischen Ende kommen zu wollen, sondern er geht weiter in dem Irrtum: er gründet seine Analyse ausschließlich auf seine eigene praktische Erfahrung, und setzt dann die Ergebnisse dieser Analyse der Schachwelt als die letzten synthetischen Wahrheiten vor. Gewiß, es gab din Niemzowitschs Lehren etwas Wahres, etwas Richtiges. Aber dieses Richtige stammte nicht von ihm, sondern von anderen, sowohl alten als auch zeitgenössischen Meistern und war bewußt oder unbewußt plagiiert worden. Richtig waren:
1. die Idee des Kampfes um die Mitte, ein Morphy-Begriff, der sowohl durch die besten Leistungen von Tschigorin als auch durch die Kämpfe von Pillsbury und Charousek illustriert wurde. Richtig waren 2. und 3. auch die Wahrheiten von M. de Palisse", nämlich daß es günstig ist die siebente Linie zu besetzen, und daß es schließlich besser ist, zwei feindliche Schwächen ausnützen zu können,  als nur eine. Und mit solchen "Niaiseries" gelang es Niemzowitsch sich in England und in New York (nicht Amerika, denn die Judenstadt New York ist mit Amerika gottlob nicht gleichbedeutend) einen schachliterarischen Namen zu machen.
Das waren die wenigen Wahrheiten, die er in seinen Büchern brachte. Daneben gab es viel Falsches, und dieses Falsche war durchaus eine Folge seiner schachlichen Einstellung, denn alles was halbwegs originell war, trug einen alles Schaffende verneinenden Leichengeruch an sich. Beispiele: 1. seine Idee des "Lavierens" ist nichts anderes als eine Form des alten Steinitz-Laskerschen Abwartens, bis der Gegner einen Fehler begeht. 2. die Idee der "Überdeckung" (der vorzeitigen Verteidigung vermeintlich schwacher Punkte) ist wiederum eine jüdische, dem Geist des Kampfes vorbeugende Idee. Also Angst vor dem Kampfe, Zweifel in seine Geisteskraft - wahrlich ein trauriges Bild intellektueller Selbsterniedrigung! Mit diesem kläglichen literarischen Schachnachlaß ist Niemzowitsch ins Grab gegangen, wenige Nachfolger und noch weniger Freunde (außer einiger Rassegenossen) hinterlassend. [...]
 
Im krassen Gegensatz dazu stehen die Ausführungen aus dem Schachturnier zu New York 1927 auch aus der Feder von Aljechin ...
 
Überschrift R5
[...] Es ist kaum möglich, von dem New Yorker Turnier zu reden, ohne die - jedenfalls in sportlicher Beziehung - schwungvolle Rolle zu erwähnen, die Nimzowitsch in der ersten Turnierhälfte zu spielen beschieden war. Vor allem aber muß festgestellt werden, daß sein Erfolg in dieser Periode des Kampfes ein ganz verdienter war, - ebenso verdient wie sein Durchfall in der zwieten Hälfte. Tatsache ist, daß Nimzowitsch im Kampfe gegen ebenbürtige Gener wohl immer dazu verurteilt wird, von den obersten Höhen in den Abgrund zu fallen, und sich dann wieder nach oben emporzuarbeiten. Denn es ist wahrlich schwer, sich vorzustellen, daß es ihm nach einer etwa 25 jährigen Schachkarriere plötzlich gelingen sollte, sein Temperament gänzlich zu verändern, - dieses Temperament, das ihm bis jetzt zuweilen zu ganz besonderen Leistungen sowohl kombinatorischer als auch rein positioneller Natur verhalf - aber manchmal ihn sportlich in den Abgrund hinunterwarf. Den Hauptfehler in Nimzowitschs Schaffen sehe ich in einer gewissen Unsicherheit in der Behandlung ihm unbekannter Eröffnungsstellungen. Vieleicht kommt die Unsicherheit daher, daß er einen m.E. übertriebenen Wert auf die Ausarbeitung eines "Eröffnungsrepertoires" legt und infolgedessen sich jedesmal nicht zu Hause fühlt, wenn er vor ein neues strategisches, also nicht variantenmäßiges - denn um ein solches zu lösen, besitzt erTechnik mehr als genug - Eröffnungsproblem gestellt wird. Tatsache ist jedenfalls, daß, indem wir bei Capablanca ungefähr keinen (die Partie gegen Werlinski bildet die einzige Ausnahme, welche die Regel bestätigt) Fall finden können, wo er direkt infolge der Eröffnung verliert, - kommen bei Nimzowitsch derartige Fälle ziemlich häufig vor (vgl. z.B. seine 3. Partie mit Vidmar aus diesem Turnier, die Partien mit L. Steiner aus Kecskemet und Berlin 1928, einige Partien aus Baden-Baden 1925). Dafür zeigte er aber in New York ebenfalls dasjenige Wertvolle, welches er nach glücklich überstandener Eröffnung produzieren kann (siehe seine Partien mit Vidmar und Spielmann aus dem I. Turnus und mit dem Verfasser aus dem II.) Wie gesagt, bin ich der Meinung, daß er in New York gerade den Platz, der seiner jetzigen Stärke entsprach, besetzt hat. Es wird mich keinesfalls wundern, wenn er in der Folge Größeres schafft, denn sein Weg scheint nach oben zu führen.
Überschrift R5
Am 28. März 1942 folgte der zweite Artikel aus der Feder Aljechins.
 
[...] Aber kurze Zeit darauf entstand für das arische Schach eine neue Gefahr in Gestalt eines anderen Ostjuden, Aron Niemzowitsch. Wenn ich in diesem Falle von Gefahr spreche, soll das nicht heußen, daß der Rigaer Jude je eine Chance gegen Capablanca gehabt hätte. Aber auch ein "ehrenvolle Niederlage" hätte bei Niemzowitschs Begabung zur Selbstreklame des jüdischen Schachs von Nutzen sein können. Deshalb mußte Niemzowitsch von seinen Weltmeisterschaftsplänen auf ähnliche Weise wie Rubinstein abgebracht werden. Deshalb wurden von mir die wichtigen Turniere von Semmering 1926, sowie New York und Kecskemet 1927 im Zeichen des "Anti-Nimzowitsch-Gedankens" durchgeführt. Nachdem ich in allen Turnieren Nomzowitsch überflügelt hatte, sah er sich gezwungen, seine Herausforderung an Capablanca zurückzuziehne. Eine Erinnerung an diese Herausforderung bleibt jedoch bestehen: die Besuchskarten, die er sich zu dieser Zeit bestellte und die eigentlich in eine Kuriositätensammlung gehörten. Sie lauteten Arnold (das klingt selbst in jüdischen Ohren schöner als Aron!) Niemzowitssch - Schachweltmeisterschaftskandidat. Nachdem 1927 der Weltmeistertitel mir zugefalllen war, versuchte es Niemzowitsch übrigens nicht mehr, sich als Bewerber zu melden.
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